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Habichtswald-Klinik
AYURVEDA
Unser
Informationsservice zum Thema:
Tinnitus
Pathophysiologie und Therapie aus ayurvedischer Sicht
Mit dem
Begriff
Tinnitus beschreibt man in der Medizin konstant oder intermittierend
auftretende Ohrgeräusche, die meist nur vom Patienten selber wahrgenommen werden
können. Gelegentlich ist der Tinnitus-Symptom einer anderen fassbaren Erkrankung
(z. B. Veränderungen an cerebralen Blutgefäßen) oder Folge eines Traumas, in den
meisten Fällen lässt sich eine einzelne Ursache jedoch nicht finden.
Im
Ayurveda sind Ohr und Gehörsinn Sitz von Vàta-dosa. Man unterscheidet ja nach
subjektiver Symptomatik karnanada (= eher niederfrequentes „Rauschen“ wie von
Trommeln, Muschelhörnern o. ä.) von karnaksveda (= eher hochfrequentes „Pfeifen“
wie von Flöten o. ä.). Das erstere wird verursacht durch ein gestörtes Vàta im
Ohr, während das zweite durch eine Kombination von Vàta-Affektion mit Pitta-
oder Kapha-Störung verursacht ist.
In der
Therapie dieser Erkrankungen muss –wie im Ayurveda grundsätzlich- zuerst die
Konstitution (Prakrti) des Patienten berücksichtigt werden. Im zweiten Schritt
wird die Erkrankung (Roga) und das Dosha-Ungleichgewicht (Dosa-vaisamya)
diagnostiziert. Je nach Konstitution und Erkrankung (die auf dem Hintergrund der
entsprechenden Konstitution entsteht) wird zunächst eine „reinigende“ Therapie (Sodhana)
mit Maßnahmen aus dem Kreis der Panchakarma-Verfahren durchgeführt. In dieser
Therapiephase gilt es, die aus dem Gleichgewicht geratene Dosha zu mobilisieren
und auszugleichen.
Des
weiteren wird der Organismus durch eine besondere Stoffwechselstimulation für
gegebenenfalls nachfolgende –speziell krankheitsbesänftigende –Maßnahmen (Roga-Prasamanan-Cikitsa)
vorbereitet. Zu diesen speziellen Maßnahmen gehören neben lokalen Ölanwendungen
am Ohr (je nach Konstitution und Symptomatik werden spezifische Öle verwendet)
auch Nasya (Inhalationsbehandlung), Shirodhara (Ölstirnguss) und Sirobhyanga (Ayurvedische
Kopfmassage).
Je nach
Störung des individuellen Dosha-Gleichgewichtes werden auch Hinweise zu
allgemeinen Diätetik gegeben.
Aus dem
Gesagten wird deutlich, dass es im Ayurveda nicht darum geht, „den Tinnitus zu
behandeln“, sondern es wird vielmehr der ganze Mensch mit seiner Konstitution
und dem bioenergetischen Ungleichgewicht betrachtet. Trotzdem ist der Tinnitus
auch im Ayurveda eine schwer zu behandelnde Erkrankung.
Im
folgenden Fallbeispiel wird deutlich, dass das Symptom Tinnitus manchmal schon
mit einer systemisch wirksamen Panchakarma-Therapie zu behandeln ist, ohne dass
spezielle Maßnahmen erforderlich wären.
Ananda S. Chopra
Fallbeispiel: Tinnitus und AYURVEDA
41-jährige weibliche Patientin
Tinnitus - Hauptdiagnosen:
-
Pulssynchrones
Ohrgeräusch, insbesondere in Ruhe
-
Psychovegetativer Erschöpfungszustand
-
prämenstruelles Syndrom
Tinnitus -
Vorgeschichte:
Seit
vielen Jahren leidet die Patientin an einem pulssynchronen Rauschen im rechten
Ohr. Dieses Geräusch tritt verstärkt in Ruhe auf, beispielsweise wenn die
Patientin Zeitung lesen möchte. Diese Symptomatik ist wiederholt medizinisch
abgeklärt worden und man hat der Patientin gesagt, es bestünde eine
Gefäßanomalie, welche diese Ohrgeräusche hervorrufe, und sie müsse damit leben.
Die Patientin hat als Bereichsleiterin eines größeren Unternehmens eine
verantwortungsvolle Position verbunden mit viel Stress.
Die
Patientin ist sonst zeitlebens gesund gewesen. Bei Aufnahme sehen wir eine
Patientin in gutem Allgemeinzustand, die klinische Untersuchung ergibt
Normalbefunde, auch an den Ohren.
Tinnitus - Therapie und
Verlauf:
Aus
ayurvedischer Sicht besteht bei der Patientin eine Vata-Aggravation –mit
karnanada auf dem Boden einer Pitta-Vata-Konstitution (Prakrti). Auf der
Grundlage des Pañcakarma-Konzepts wird ein kurzzeitiges Therapieverfahren für
nur neun Tage durchgeführt, das im einzelnen folgende Elemente enthält:
I.
„Mobilisierende Maßnahmen“ (Pùrvakarma):
Snehana
(„Therapie mit Ölen und Fetten“), dieses hat zwei Aspekte:
A.
Àbhyantara Snehana (Innerliches Fetten“) hierzu gehört das Snehapána, das ist
die
Einnahme
eines speziell aufbereiteten Butterfetts.
B. Bàhya Snehana: Spezifische äußerliche Anwendungen mit Ölen und Fetten. Öle
und
Fette werden dabei
speziell auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Ebenso Art,
Dauer und
Intensität der Anwendung.
Svedana
(„Schwitztherapie“): Dies umfasst spezielle Wärmeanwendungen.
II. „Hauptmaßnahmen“ (Pradhànakarma):
Virecana,
Abführtherapie.
Bastikarma,
speziell zusammengestellte Enemata zur Therapie über die
Darmschleimhaut.
Das
Heilverfahren sah im einzelnen folgendermaßen aus:
| Tag |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
Snehana
A. Snehapana
(Innerliche Fettbehandlung) |
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● |
● |
● |
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B. Bahya Snehana
(Äußerliche Fettbehandlung) |
● |
● |
● |
● |
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● |
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| Svedana
(Schwitzen) |
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● |
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● |
● |
● |
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| Virecana
(Abführen) |
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| Bastikarma (Enemata) |
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● |
● |
● |
Bereits
am sechsten Behandlungstag war das Ohrgeräusch – nach Aussagen der Patientin –
zu 90 % gebessert. Bis zum Abreisetag verschwand es vollständig und trat auch
nicht wieder auf. Aus ayurvedischer Perspektive hat hier die systemische
Vata-Affektion auch das Ohrgeräusch verursacht. In diesem speziellen Falle ist
durch die systemische Behandlung der Vata-Störung auch das Ohrgeräusch
verschwunden.
E-mail:
info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel,
Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel.
Ananda S. Chopra
(Dr. Kalyani Chopra,
Leitende Ärztin der
Ayurveda-Klinik Kassel)

Aktualisiert: Juni 2010
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