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Habichtswald-Klinik Unser Informationsservice zum Thema: PsychotherapieKombination Psychotherapie mit AYURVEDAErfahrungen mit der Ayurveda-Medizin, Teil 2Verpassen Sie nicht das erste Fallbeispiel unserer Serie: Psychotherapie und Ayurveda Fallbeispiel II: Psychotherapie und Ayurveda
Patientin: Frau Thea R. aus A. Diagnosen: Schwere depressive Reaktionen im Rahmen einer neurotischen Depression. Psycho-vegetatives Syndrom mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
Aktuelle Situation und Symptomatik Vor vielen Jahren habe sie in einer sehr schwierigen Zeit mit der drogenabhängigen Tochter nächtliche Ängste gehabt. Zwischenzeitlich treten auch heute Ängste auf, vor allem in Menschenmengen. In einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung sei sie nicht. Die Patientin berichtete weiterhin, dass sie, solange sie denken könne, Magendruck, auch Magenschmerzen besonders gleich nach dem Aufwachen habe. Auch Völlegefühl, Blähungsneigungen, besonders gleich nach dem Mittagessen trete auf, gelegentlich auch Heißhungerattacken auf Süßes und manchmal Appetitlosigkeit. Der Stuhlgang sei normal, in Stresssituationen Obstipationsneigung. Seit 1993 sei eine exokrine Pankreasinsuffizienz, die mehrmals mit ERCP abgeklärt worden sei, bekannt. Eine Ursache sei bisher nicht gefunden. Insgesamt fühle sie sich müde und erschöpft, Antrieb, Konzentration und Gedächtnis hätten stark nachgelassen. Die Familienanamnese sowie Vorerkrankungen sind für ihre Symptomatik nicht einflussreich. Bei der körperlichen Untersuchung fand sich lediglich ein Druckschmerz unter dem linken Rippenbogen sowie im epigastrischen Winkel und diffuses Unwohlsein bei Tasten des gesamten Unterbauches. Der Habitus der Patientin ist schlank, bei zartem Knochenbau. Bei einer Größe von 165 cm beträgt ihr Gewicht 52 kg. Laborbefunde
Pathologisch waren: Alpha-Amylase 180 u/l, Cholesterin 316 mg%, Leukozyten 3,8
/nl. Unauffällig waren: BSG, das übrige kleine Blutbild, Thrombozyten,
Transaminasen, AP, Gamma-GT, Lipase, Elektrolyte, Eisen, Triglyceride,
Nüchtern-Blutzucker, Blutfette, Harnsäure, Kreatinin sowie das Gesamt-Eiweiß. Psychotherapie- Genese und PsychodynamikDie Mutter habe während ihrer Schwangerschaft mit ihr unter Depressionen gelitten und sei 8 Tage nach ihrer Geburt wahrscheinlich an einer Lungenentzündung verstorben. Sie sei eine Kaiserschnitt-Geburt gewesen und bei dem Eingriff am Kopf verletzt worden. In ihren ersten 2 Lebensjahren sei sie bei einer Schwester der Mutter untergebracht gewesen, die keine Kinder habe kriegen können. Diese hätte sie gerne behalten, sie sei dort jedoch „weggerissen“ worden, habe dann einige Wochen bei den Großeltern väterlicherseits gelebt und sei dann nach der erneuten Eheschließung des Vaters bei der Stiefmutter aufgewachsen, mit der sie sich nie verstanden habe. Ihr Vater sei aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt als sie 8 Jahre alt gewesen sei. Sie sei sehr enttäuscht von ihm gewesen, da er den Konflikten mit seiner 2. Frau aus dem Weg gegangen sei und nie mit der Faust auf den Tisch gehauen habe. Irgendwie sei die Beziehung zu ihm zwiespältig gewesen. Also habe sie ihm nie widersprochen. Die Stiefmutter lebe gegenwärtig in einem Heim, sie besuche sie regelmäßig aus Pflichtgefühl. In der beschriebenen familiären Konstellation entwickelte die Patientin eine schizoid-depressiv akzentuierte Persönlichkeitsstruktur. Prägend waren der frühe Verlust der Mutter, der 2 Jahre später erfolgte Verlust der Tante in Ersatz-Mutter-Position sowie die negativen Bindungserfahrungen mit der Stiefmutter. Offenbar legte sich die Patientin schon früh eine Art Überlebenshaltung in Form ihrer leisen und zurückhaltenden, den Erwartungen angepassten Haltung an. Aggressive Impulse mussten aus Angst vor weiteren Verlusten abgewehrt werden. Auch die Beziehung zum Vater scheint durch gegenseitige Enttäuschung wenig nährend und kompensierend gewesen zu sein. In den eigenen Partnerschaften haben sich kindheitliche Konflikte rekonstelliert. Auch die schwierige Beziehung zur Tochter sehen wir als Ausdruck der Mutter-Thematik. Der Tod der Tochter hat bei Frau R. zur Reaktualisierung frühkindlicher Verlusterfahrungen geführt, und die Patientin reagiert mit depressivem Rückzug. Psychotherapie- Behandlungsverlauf aus psychotherapeutischer SichtZum Erstkontakt erschien eine kleine, zarte und zerbrechlich-spröde wirkende Frau, die einen erschöpften und traurig-niedergeschlagenen Eindruck machte. Sie schilderte ihre persönliche Situation mit leiser, dünner Stimme. Frau R. gelang es leicht, ein therapeutisches Bündnis aufzubauen. Sie begann ihre psychotherapeutische Behandlung in der Gruppe, brachte dort den aktuellen Leidensdruck sowie die momentanen Lebenskonflikte ein. Sie wirkte dabei jedoch wenig entlastet, eher verloren, grau und in sich gekehrt, dabei kontaktarm in der Gruppe der Mitpatienten. Im Zweitgespräch berichtete sie von sie bewegenden Träumen. Zum einen habe sie von einem düsteren Haus geträumt, in dem eine Leiche zerhackt und zersägt wird. Sie bezog diesen Traum auf sich mit der Aussage „da ist was endgültig nicht mehr zusammenzuflicken“. In einem zweiten Traum sah sie sich, wie sie ein Kind in einer Berghöhle versteckt und auf ihrer Bergbesteigung mit einer Spitzhacke etwas sucht. Auf dem Rückweg ist das Kind tot. Im Traum habe sie sich schuldig gefühlt, da sie das Kind dort vergessen habe. Den Traum verstand sie als Auftrag, das Kind beschützen und behüten zu müssen. Sie habe sich vergessen, aber das Innere sei nicht tot. Dieses Bild löste starke Gefühle aus, über die sie sich sehr freute, nachdem sie lange Zeit wie „versteinert“ gewesen sei und keine Gefühle mehr gehabt habe. Ihre Sehnsucht nach einer wohlwollenden-nährenden, pflegenden und haltgebenden Mutter war deutlich spürbar. In dieser Sitzung entstand die Idee einer Ayurveda-Behandlung, worauf die Patientin mit Interesse reagierte, und sie leitete in den nächsten Tagen die notwendigen Schritte dazu ein. In der dritten Sitzung berichtete die Patientin über den in ihrer Kindheit erlebten Kontrast zwischen ihrer inneren bunten und phantasievollen Welt einerseits und der leidend-niedergedrückten Atmosphäre der äußeren Welt andererseits. In ihr sei ein „Aquarium ungeweinter Tränen“ und sie sehne sich ein Leben lang nach einem Halt. In der Klinik finde sie viel Halt in der Spiritualität, z. B. bei spirituellem Tanz. Nach dieser Sitzung begann die ayurvedische Behandlung. Die Patientin behielt ihr Zimmer in der psychotherapeutischen Abteilung und ging zu den ayurvedischen Behandlungen in die Ayurveda-Abteilung, da sie den vertrauten Rahmen nicht missen wollte. Die Teilnahme an der Gruppentherapie wurde für die Zeit der ayurvedischen Behandlung unterbrochen, wegen erwarteter inhaltlicher Interferenzen. Die Teilnahme am Ausdrucksmalen setzte sie fort und wurde in regelmäßigen Einzelsitzungen begleitet. Aus ayurvedischer Sicht hat die Patientin eine Vata-Pitta-Konstitution. Die intestinale Symptomatik mit Völlegefühl, Blähungsneigung und Obstipationsneigung in Stresssituationen wird als Zeichen einer Vata-Aggravation im Stadium der Ausbreitung (Prasara) gewertet. Ein kurzzeitiges Panchakarma-Therapieverfahren mit dem Ziel der Vata-Beruhigung wird durchgeführt, zeitlich gerafft sieht es folgendermaßen aus:
Gleich zu
Beginn ihrer ayurvedischen Behandlung berichtete sie, sich als Wanderin zwischen
zwei Welten zu fühlen und zugleich die Erfahrung von Verlorenheit und Abschied
als auch von Aufgehobenheit und Geborgenheit zu machen. Nach einigen Tagen
erschien die Patientin mit strahlenden Augen, die an einen glücklichen Säugling
erinnerten. Sie berichtete, dass sie gesalbt, gestreichelt und geölt, sogar
frottiert werde. Sie hole hier etwas nach, was sie nie gehabt habe. Sie habe
Kontakt zu ihrem inneren Kern und sehe plötzlich wieder innere Bilder, so wie
früher als Kind. Sie wirkte sehr glücklich. Dr. Kurtz von Aschoff E-mail: info@ayurveda-klinik.de Adresse: Ayurveda-Klinik Kassel, Habichtswald-Klinik, Wigandstrasse 1, D-34131 Kassel.Bitte geben Sie dabei die Überschrift des Artikels, Ihren Namen und Ihre Adresse an. (Dr. Kalyani Chopra, Leitende Ärztin der Ayurveda-Klinik Kassel)
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